Donnerstag, 12. März 2009

Idriss erzählt... Hoffnungen in Obama

Dies ist die verkürzte Wiedergabe meines Gesprächs mit Idriss Ahmed Idriss aus Zanzibar, das ich im Februar 2009 auf Englisch mit ihm in Stone Town geführt habe.

"Ich arbeite im Hafen von Zanzibar für ein großes Transportunternehmen als Supervisor, habe aber eigentlich eine Ausbildung als Photograph.

@ w.s.

Allerdings versuche ich schon lange vergeblich am Festland einen Job zu bekommen, was schwer ist, da meiner Meinung nach Leute aus Zanzibar dort nicht gefragt sind. Auf Zanzibar selbst ist das allergrößte Problem einen Job zu finden beziehungsweise die niedrigen Gehälter. Die besseren Jobs, die auch gut bezahlt sind, bekommen meistens Leute vom Festland oder Ausland. Leute aus Zanzibar wiederum versuchen aus Zanzibar aufs Festland zu ziehen oder nach Europa zu emigrieren.

Ein weiteres Problem ist die Korruption, vor allem innerhalb der Regierung, wie man auch am Bespiel des ehemaligen Finanzministers sehen kann. Er hat Bestechungsgeld eines europäischen Transportunternehmens angenommen, das im Gegenzug keinerlei Steuer gezahlt hat.

Die Kriminalität auf der Insel nimmt zu, Drogen kommen vom Festland, Waffen aus Kenia und Somalia. Die Leute werden immer mehr verängstigt.

Die wirtschaftliche Situation bricht weltweit zusammen, die größten Auswirkungen hat das leider auf Afrika, die Leute werden immer ärmer und frustrierter. Meine Hoffnungen liegen jetzt beim U.S. Präsidenten Barack Obama. Ich glaube, dass sich jetzt einiges ändern wird. Ich bin nur darüber verärgert, dass er seinen zweiten Vornamen Hussein nicht verwendet, weil die Leute denken könnten, er würde sie in die Luft sprengen. Die Angst vor Terrorismus wird immer größer, Leute verwechseln Terrorismus und Islam. Die Missverständnisse zwischen dem Westen und der islamischen Welt vermehren sich seit 9/11, daran ist George W. Bush schuld. Unter Bill Clinton war das Verhältnis mit den USA besser, er war sogar auf Zanzibar und hat bei Jaws Corner 15 Minuten lang Kaffe getrunken und mit den Leuten gesprochen (Anm. Jaws Corner ist ein kleiner Platz mitten in Stone Town, auf dem sich die zanzibarische Männerwelt allabendlich zum frischen Kaffee trifft und meistens Fußballspiele im TV verfolgt).

Bild: Static Panoramio, digital verändert v.s.

Dass Muslims nicht unbedingt Terroristen sind, werden die Leute im Westen erst verstehen, wenn sie sich mit dem Islam und uns auseinandersetzen.

Die Unabhängigkeit vom Festland hätte für Zanzibar Vor- und Nachteile. Meiner Meinung nach funktioniert die Zusammenarbeit derzeit wieder besser. Die Unabhängigkeit erscheint mir unrealistisch."

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