Dies ist die verkürzte Wiedergabe eines Gespräches mit Mgeni Hamad Khamis aus Zanzibar, das ich im Februar 2009 mit ihr auf Swahili in ihrem Haus in Amani geführt habe.

Mgenis ganzer Stolz sind ihre Enkel, hier mit der kleinen Sambrat
"Ich habe keine Geburtsurkunde, aber in meinem Personalausweis steht, dass ich 1955 geboren wurde. Das wurde bei der Behörde geschätzt. Meine Familie ist aus Pemba und meine Eltern waren sehr arme Farmer, wir sind Shirazis. Die Schule konnte ich nie besuchen, ich kann weder Schreiben noch Lesen. Mit 15 bin ich nach Zanzibar gekommen, wo ich meinen späteren Ehemann Mzee Hadj getroffen habe, der damals als Polizist gearbeitet hat. Mit 17 habe ich meine erste Tochter Mtumwa bekommen (Anm. laut Geburtsurkunde 1974). Als sie ungefähr sieben Jahre alt war hat mein Mann uns verlassen und wieder geheiratet.
Nach zwei Jahren habe ich dann meinen zweiten Ehemann Khamis kennen gelernt, mit dem ich drei Kinder habe, Hamad (Anm. laut Geburtsurkunde 1982), Mkongwe (Anm. laut Geburtsurkunde 1985) und Wastara (Anm. laut Geburtsurkunde 1988). Khamis war Farmer, gelebt haben wir in Amani, einem Vorort von Stone Town. Kurz nach der Geburt von Wastara ist mein Mann an Gallensteinen verstorben. Nach dem Tod meines Ehemanns bin ich außerehelich schwanger geworden, der Sohn ist zwei Tage nach seiner Geburt verstorben.

Mgeni und ihr einziger Sohn Hamad
Unsere Situation war sehr schwierig. Wir haben alles verloren und hatten drei Jahre lang keine Existenzgrundlage. Ich habe eine Zeit lang versucht in der Stadt zu arbeiten, aber das hat nicht funktioniert, weshalb ich mit meinen Töchtern wieder zurück nach Amani gezogen bin, wo wir ein günstiges Grundstück gefunden haben und begonnen haben, ein Haus zu bauen.
Wirklich bewohnbar ist das Haus erst, seit Hamad arbeitet und uns finanziell unterstützt. Seit vielen Jahren (Anm. laut Zulassung seit 1996) arbeite ich am Markt in Amani. Ich kochezuhause Essen: Reis, Bohnen und Spinat und verkaufe es von Mittag bis Abend, jeden zweiten Tag. Ich weiß nicht, wie lange ich diese Arbeit noch machen kann, die Schlepperei ist für
mich sehr anstrengend. Die Arbeit zahlt sich wegen des Überangebots auch fast nicht mehr aus, es gibt heute so viele günstige Plätze, wo man essen kann. Noch vor ein paar Jahren habe ich täglich acht Kilo Reis verkauft, heute sind es nur mehr zwei bis drei Kilo und meistens bringe
ich Reste wieder nach Hause. Meine jüngste Tochter ist obendrein mit 16 schwanger geworden, der Vater des Kindes ist sofort verschwunden. Abgesehen von der Schande für unsere Familie
musste ich bis vor kurzem (Anm. die Tochter hat im August geheiratet) auch für sie und ihren kleinen Sohn Abdull Latif sorgen.
Der Bau unseres Hauses ist leider immer noch nicht abgeschlossen. Derzeit besteht es aus zwei kleinen Zimmern, die ich mir mit meiner Tochter Mkongwe und ihrem Ehemann teile. Sie haben zwei Töchter, Swaiba ist drei Jahre und die kleine Sambrat 9 Monate alt. Abdull, genannt Dulli, der Sohn meiner jüngsten Tochter Wastara, lebt auch bei uns. Er ist jetzt 2,5 Jahre alt.

Swaiba
Swaiba und Abdull schlafen bei mir im Bett, wir teilen uns das Zimmer außerdem mit unseren 10 Hühnern.
Meine älteste Tochter Mtumwa möchte auch bald mit ihrer Familie zu uns ziehen, da sie sich die Miete für ihr Zimmer im nahe gelegenen Ort Magogoni, wo sie einen Friseursalon hat, nicht mehr leisten können. Ich hoffe, dass wir es schaffen werden, so bald wie möglich ein Zimmer für sie anzubauen..."
Besuch bei Wastara (links): Dulli und Mtumwa

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