Mittwoch, 25. Februar 2009

Vom Reifen der Bananen

Über wohl eine der sich im schlechtesten Zustand befindenden Straßen der ganzen Insel fuhren wir nach Fumba, um Saidi's Vater Simai Rajabu und seine Frau Fatuma zu besuchen. Nachdem wir am Darajani bereits im Daladala sitzend etwa 45 Minuten darauf warteten, bis dieser endlich losfuhr, verwarf ich die Aussage von Saidi, dass die Fahrt nicht mehr als 15 Minten dauern würde. Ich sollte Recht behalten seinem Zeitgefühl zu misstrauen und wir kamen schließlich nach einer Stunde und 15 Minuten im Ort Fumba an.Saidis Mutter ist verstorben als er noch in der Sekundarschule war, sie hat insgesamt 10 Kinder, 4 davon mit Saidis Vater.Dieser ist gerade dabei, ein Haus für sich und seine zweite Ehefrau zu bauen, deren Tochter auch dort wohnt, aber nicht anwesend war. Gegenüber wohnt seine Schwester mit ihrer Familie. Die Nachbarschaft besteht aus insgesamt etwa 5 Häusern in nächster Nähe, den Rest des Ortes erreicht man nach einem kurzen Fußmarsch. Bis auf Simais Haus sind hier fast alle Häuser aus Lehm. Die Familien scheinen sehr arm zu sein, außerdem wohnt in einem Haus ein Albino Mädchen, in einem anderen eine geistig zurückgebliegene junge Frau namens Tunu, was so viel heißt wie "Rarität".Simai lebt vom Verkauf von Bananen, hinter dem Haus wachsen unzählige Bäume. Wird das Geld knapp und die Bananen sind noch zu unreif, um sie verkaufen zu können, wendet er einen Trick an: In der rote Erde hat er eine Grube ausgehoben, in die er die unreifen, grünen Stauden legt. Anschließend bedeckt er sie mit frischen und trockenen Bananenblättern, Juttesäcken und schaufelt die Erde wieder darauf. Nach etwa 2 Tagen sollen die Bananen gereift sein!

Nachdem die Stauden wieder begraben waren, beobachteten wir eine Zeit lang die kleinen Koranschüler, die sich hinter dem Haus zum täglichen Unterricht versammelt hatten. Mit ihren hohen Stimmchen rezitierten sie in einem ungeheuren Durcheinander Verse und amüsierten sich darüber, dass ich sie dabei fotographierte. Einige Schüler mussten sich ein Heft teilen, da der Regen sie auf dem Weg überrascht hatte und ihre Heftchen teilweise völlig durchnässt waren, weshalb sie zum Trocknen in die Sonne gelegt wurden. Ein Neues zu kaufen wäre für die meisten Familien hier bestimmt unmöglich, der Kauf von Unterrichtsmaterialien stellt leider oft noch ein Hinderniss für den Schulbesuch dar.

Anschließend verwöhnte Fatuma uns mit ihrem herrlichen Mittagessen, das wir genüßlich am Fußboden des Hauses verspeisten.

Nach dem Essen leistete uns die Nachbarstochter Tunu Gesellschaft, die sich auf den ersten Blick bereits unsterblich in Hamad verliebt hatte und von da an nicht mehr von seiner Seite wich, jede Möglichkeit nutzte ihn zu berühren und alle anderen in seiner Nähe gekonnt abwehrte!

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