Dienstag, 10. Februar 2009

Die etwas andere Art, Mangos zu besorgen...

Wieso ist es eigentlich immer so, dass man gerade dann verschlaeft, wenn man eine Verabredung hat? Samstag war jedenfalls wieder so ein Tag! Um halb 10 bekomm ich einen Anruf von Damtu, die fragen wollte, ob wir jetzt ohnehin um 10 kommen! Nein tun wir nicht - und warum? Weil prinzipiell an solchen Tagen das Wasser nicht fliesst! Deshalb mussten wir bis halb 11 warten, bis die Pumpe endlich wieder ihre Arbeit aufnahm und waren schliesslich um 12 in Amani, wo Damtu bereits seit 2 Stunden am Strassenrand auf uns wartete, damit wir alle gemeinsam Wastara am Ende der Welt besuchen konnten. Sie war deshalb verstaendlicherweise relativ genervt, aber was soll man machen ohne Wasser und mit dem sich unglaublich langsam dahin bewegenden Kind! Jedenfalls sind wir dann eine Stunde lang auf der staubigsten Strasse auf ganz Zanzibar dahin gerattert, bis der Daladala mitten im Nirgendwo stehen geblieben ist und gemeint hat, weiter wuerde er nicht fahren. Wir also ausgestiegen und gehatscht, bis wir irgendwo in den - und ich weiss nicht wie ich anders nennen soll - Dschungel eingebogen sind, vorbei an ein paar Lehmhuetten. Irgendwo dazwischen war dann das Haus, in welchem Wastara mit der Familie ihres Mannes Seif wohnt. Ich bin mir allerdings nicht wirklich sicher, ob man dieses Mauergebilde wirklich Haus nennen kann! Es erfuellt im Prinzip eigentlich gerade mal die Funktion, einen vor Regen zu schuetzen. Die zwei Raeume sind vielleicht 3 mal 3 Meter gross. In dem einen wohnt das Ehepaar, im anderen Seifs Eltern und ungefaehr drei Kinder. Welches von den Kindern jetzt alles da wohnt hab ich nicht ganz mitbekommen! zwischen den beiden Raeumen ist ein Matte am Boden ausgebreitet - hier spielt sich das Leben ab. Als wir dort angekommen sind, haben Damtu und Wastara sofort angefangen, das Mittagessen vorzubereiten, waehrend Seif, Hamad, ein junger Bursche und ich uns auf den Weg gemacht haben "Mangos zu besorgen"... Nun bedeutet fuer mich "Mangos zu besorgen" in der Regel, dass ich mich auf den Markt begebe und die gewuenschte Anzahl erwerbe... Aber an diesem Tag hab ich begriffen, wo die Mangos, die ich am Markt kaufe, eigentlich herkommen... Wir marschierten also los, ueberquerten die Strasse, auf der wir gekommen waren, vorbei an ein paar vereinzelten Huetten und wieder hinein in den Dschungel. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde dahin gelaufen waren, stiessen wir auf eine Kuh, die genuesslich neben einer Kokospalme graste. Diese Kuh gehoert der Familie und ist eine ihrer Existenzgrundlagen. Wenn ich mir allerdings vorstelle, jedes mal den ganzen Weg zurueck legen zu muessen, vergeht mir die Lust auf Milch! Und man muss auch noch bedenken, dass sich diese Kuh ja auch fortbewegt, sie muss also erst gefunden werden! Fragt mich nicht, wieso sie nicht im Dorf wohnt, ich habe nicht die geringste Ahnung! Wir liefen noch eine halbe Stunde lang weiter, bis wir schliesslich bei einem riesigen Mangobaum ankamen, unter dem genau eine Mango lag. Ich war aber ganz froh, dass wir den ganzen Weg nicht fuer diese einzelne Frucht zurueck gelegt hatten, sondern es noch weiter Baeume gab. Schliesslich hatten wir einen ganzen Korb voll und machten uns auf den Weg zurueck. Wegen der Hitze und der Unebenheit der Erde war ich bereits relativ k.o. und achtete nicht mehr darauf, ob mir Aeste die Beine aufschnitten oder ich auf Schlagen stiess. Statt dessen konnte ich die Zeit endlich nutzen, um die bombastische Landschaft zu bewundern und bekam obendrein noch eine Einfuehrung in die sansibarische Botanik und Pflanzenheilkunde. Ich weiss jetzt zum Beispiel, dass man mit kitu cha nyoka (auf Deutsch Ding der Schlange), verstopfte Ohren saeubern kann, wenn man den Staengel fuer ein paar Minuten in heisse Kohle haelt und ihn anschliessend auspresst. Und ich mach mir immer den Stress Wattestaebchen zu suchen!!
Als wir endlich zurueck im Dorf waren, war das Essen bereits fertig und wir stuerzten uns alle gemeinsam auf die riesigen Schalen mit Reis, Gemuese, Kochbananen, Kartoffeln und Fisch. Danach ruhten wir uns ein wenig aus, bevor wir uns wieder in Richtung Strasse begaben, um eine geschatzte Stunde zu warten, bis auch nur irgendein Auto in Richtung Stadt des Weges kam...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen