Freitag, 30. Januar 2009

Immer noch Doha...


Nachdem mein Magen mit lautem Knurren seine Unzufriedenheit über meinen Entschluss nicht zu Essen bekundet hatte, musste ich seinem Verlangen nachgeben und  gab meinen Fensterplatz auf, um zu überprüfen, ob sich an der Essenslage in den letzten Wochen nicht doch etwas verändert hat. Leider musste ich enttäuscht das Gegenteil feststellen. Nach verzweifelter Lektüre des Menüs und kurzer Überlegung doch nochmal umzuqueren, entschied ich mich also für einen Cheeseburger - der mit Pommes Frites geliefert wird - und einen Orangensaft. Die Entscheidung gegen einen Salat erfolgte aufgrund des doppelt so hohen Preises... Allein der Anblick des Tabletts ließ meinen Magen verstummen - endgültig, als ich die Mayonnaise entdeckte. Er muss sich also mit seiner Unzufriedenheit weiter herumschlagen und ich ärgere mich darüber so viel Geld bezahlt zu haben. 
Mittlerweile ist etwas Ruhe am Flughafen eingequert, die Passagiere für den Flug nach Islamabad sind nach langem Hin und Her endlich auch schon abgefertigt. Außer den laufenden "Last Call" Aufrufen - gerichtet an die immer wiederkehrenden üblichen Namen  (Muhammed, Ahmed, usw.) - die mich, neben meinem Kampf gegen den Erfrierungstod, vom Schlafen abhalten, sind kaum Geräusche zu vernehmen. Hier und da fährt ein Flughafenmitarbeiter mit der Reinigungsmaschine durch, die schonungslos jeden noch so kleinen Staubfusel frisst. Im Costas läuft der Geschirrspüler. Die Laptoptasten klimpern mit steigender Müdigkeit der Businessmänner immer langsamer. Ein offenbar total gelangweilter Typ vertreibt sich die Zeit, in dem er zum tausendsten Mal sämtliche Klingeltöne seines Handys ausprobiert. Ich bezweifle, dass ich hier vor meinem Weiterflug noch zum Schlafen komme!
In meiner Langeweile habe ich einen Streifzug durch das Flughafengebäude unternommen und dabei interessante Entdeckungen gemacht. Bemerkenswert finde ich die, die Abflüge verkündenden, riesigen Flachbildfernseher im Prayers Room. Ob solche Informationen nicht die Konzentration stören? Noch dazu wo sie an der in Richtung Mekka liegenden Wand hängen... Daneben qualmen sich die sündigen Süchtler im Raucherkammerl ein. Ab und zu geht die Tür auf und man kann sich aufgrund der Hektik, in der die Menschen aus diesem Raum fliehen und des Rauches, der heraus dringt, vorstellen wie angenehm die Atmosphäre dort drinnen sein muss... In den schimmernden Auslagen der Einkaufshalle finden sich nie gesehene Handymodelle wieder. Der Bentley ist aus der Nähe betrachtet doch größer als gedacht... Alles in Allem also sehr spannend, vor allem da sich gerade ein Spatz neben mich auf die Bank gesetzt hat! Wo der wohl herkommt? Gibt es in Doha Spatzen? Bei den Temperaturen?? Aber vielleicht ist er ja als blinder Passagier eingereist und freut sich nun genauso über die Temperaturverhältnisse wie ich. Er ist jedenfalls bei Weitem klüger als ich und gerade in Richtung Luxus Lounge abgeflogen... Spatz müsste man sein!

Angekommen am Doha International Airport



Dies soll also der erste Eintrag in meinen neuen Blog werden...
Gerade war ich noch in Wien, nun bin ich schon wieder in Doha, auf diesem bemerkenswert skurrilen Flughafen und sitze meine 12 Stunden Aufenthalt bis zu meinem Anschlussflug nach Dar es Salaam ab, um dort wieder zu warten - vorausgesetzt ich bekomme problemlos ein Visum!
Die Atmosphäre auf diesem Flughafen ist eine ganz eigene, ein Mix verschiedenster Menschen. Hier sitzt die Großfamilie aus dem arabischen Raum neben dem Geschäftsmann, der in seinen Laptop starrt (ich gehöre nicht zu ihnen...) und dem "einfachen" Urlauber, meistens auf einen Anschlussflug in Richtung einer asiatischen Urlaubsdestination wartend.
Die riesige Einkaufshalle ist nicht zu umgehen - man tritt quasi aus der Handgepäckskontrolle direkt hinein. Der Schmuck funkelt, die Rolex glänzt, die Schokolade lacht einen an (die Versuchung ist groß, wäre da nicht der Preis...) und mitten drinnen steht eine nagelneuer Bentley, der die faszinierten Blicke der Männer auf sich zieht. Einige davon könnten dieses Auto wahrscheinlich sofort spontan erwerben, sie müssten dafür nur mal eben ihre Brieftasche zücken. Die anderen müssen weiter träumen...
Außer zwei Fast-Food Lokalen gibt es hier essenstechnisch nichts zu kaufen, wenn man nicht gerade Zugang zur Luxus Lounge hat. Den hab ich leider nicht, und darum bleibt die Qual der Wahl: esse ich einen Cheeseburger mit Cola um 11 Dollar, oder verwerfe ich diesen Gedanken aus moralischen Gründen wieder? Es bleibt mir ja immerhin auch noch die Möglichkeit eines Cappuccinos im Starbucks-Verschnitt Costas, der würde auch nur 6 Dollar kosten! Nachdem ich aber doch eine längere Wartezeit habe, werde ich wohl ums Essen nicht herum kommen. Mein Magen ist schon allein bei dem Gedanken an einer Burger entzückt!
Außer dem bereits Erwähnten gibt es sonst eigentlich nichts Aufregendes. Und so bin ich nach meiner Ankunft sofort in "meine" Ecke gezogen, von wo ich allerdings schnell wieder fliehen musste, als meine Sitznachbarn, eine vierköpfige Gruppe junger indischer Herren, dachten, sie müssten das gesamte Publikum an ihrer Musik teilhaben lassen. Jetzt sitze ich jedenfalls vor dem Fenster und habe einen herrlichen Ausblick auf das dunkle Flugfeld. Zwar bin ich völlig dem Gebläse der Klimaanlage ausgeliefert, aber eine noch nicht von den Businessmännern besetzte Steckdose ließ sich nur hier finden. Ich habe es übrigens wieder nicht geschafft, die Decke aus dem Flugzeug unbemerkt in mein Handgepäck zu verfrachten - die Mitarbeiter von Qatar Airways sind da wirklich sehr streng und haben keinerlei Mitleid mit meinen Nieren...
Derzeit herrscht noch reger Verkehr in der Halle, der wohl erst gegen Mitternacht abklingen wird. Dann sind die meisten Anschlussflüge schon abgefertigt, die Kinder - von denen es hier nur so wimmelt - eingeschlafen - oder auch nicht - und der Großteil der Anwesenden hat sich - je nach Gesinnung - entweder in den Quiet-Room oder in den Prayer-Room - der interessanterweise eine Fensterwand zur Halle hin hat - zum Schlafen verzogen...